Pflegerisches Basisassessment (BAss)

Das standardisierte pflegerische Basisassessment (BAss) dient zur systematischen Pflegeanamneseerhebung als Startpunkt des Pflegeprozesses.

Durch dessen Anwendung können wertvolle Informationen über Patientenzustände und Patientenbedürfnisse gewonnen werden, welche sowohl die Ableitung des situations- und fallgerechten Pflegebedarfs als auch die Pflegediagnostik und die pflegerische Entscheidungsfindung unterstützen. Das BAss ist eine entscheidende Unterstützung der Pflegeprozessdokumentation zur Förderung der Patientensicherheit und pflegerischen Versorgungsqualität.

Es ist sektorenübergreifend einsetzbar und kann einen entscheidenden Beitrag zur Digitalisierung der Pflegeprozessdokumentation und semantischen Interoperabilität beitragen. Es erfüllt die Kriterien der „Richtlinie zur Förderung von Vorhaben zur Digitalisierung des Prozesses und Strukturen im Verlauf eines Krankenhausaufenthaltes von Patientinnen und Patienten nach § 21 Absatz 2 KHSFV.02“ und steht Kliniken kostenfrei zur Verfügung

Das BAss ist beim DIMDI als Terminologie Standard angemeldet und hat folgende OID zugeordnet bekommen: Registrierungskennziffer 1.2.276.0.76.5.517 nach DIN 66334:1996-9 und ISO/IEC 9834-1:2012.

Zielsetzung

In den Jahren 2014 bis 2016 wurde vom Deutschen Pflegerat (DPR) innerhalb des OPS-Vorschlagsverfahrens 2017 (OPS 1-776) die Umsetzung eines standardisierten pflegerischen Basis-Assessments für Erwachsene gefordert. Diese Überlegungen wurden von der Fachgesellschaft Profession Pflege e. V. aufgegriffen. Ein standardisiertes Basis-Assessment bietet nicht nur wertvolle Informationen über Patientenzustände und Patientenbedürfnisse zur Ableitung des situations- und fallgerechten Pflegebedarfs, sondern kann zudem auf Basis der gewonnenen Informationen einen Mehrwert für die Pflegediagnostik und die pflegerische Entscheidungsfindung darstellen. Das BAss ist eine entscheidende Unterstützung der Pflegeprozessdokumentation zur Förderung der Patientensicherheit und pflegerischen Versorgungsqualität.

Die Fachgesellschaft Profession Pflege e.V. setzt sich neben der für die Sichtbarkeit pflegerischer Leistung und die Umsetzung des pflegediagnostischen Prozesses für die Gewährleistung einer angemessenen evidenzbasierten Pflegeprozessrealisierung ein.
Die zentralen Zielsetzungen der „Fachgesellschaft Profession Pflege e. V.“ sind es zudem, das Pflegepersonal vor Doppeldokumentation zu entlasten und der Profession „Pflege“ „eine Stimme zu geben“. Dieses durch fundierte Nutzung der durch den Einsatz des BAss entstehenden Daten zur adäquaten Beurteilung des Pflegebedarfes der Pflegeempfänger. Dadurch wird eine sinnvolle Pflegepersonalbemessung basierend auf Kennziffern zur Arbeitsbelastung möglich.

Um diese Zielsetzung zu erreichen, stellt die Fachgesellschaft für die Digitalstrategie einer Pflegeprozessdokumentation Bausteine einer standardisierten Pflegefachsprache für die Kliniken zur Verfügung. Diese bereitgestellten Terminologie-Bausteine für eine Patientenakte werden nachfolgend vorgestellt.

Ausgewählte Aspekte des pflegerischen Basis-Assessments (BAss)

Das BAss bietet dem Nutzer aufgrund seiner breiten Itemstruktur eine Vielzahl verschiedener Informationen, die ansonsten von der Pflegeperson gesondert auf unterschiedlichen Formularen und/oder Assessmenttools erhoben wurde. Hier entsteht heute noch vielerorts in den Kliniken eine Doppeldokumentation von gleichen/ähnlichen Sachverhalten über den Patientenzustand. Score-Werte international anerkannter Assessmentinstrumente können durch die Anwendung des BAss ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand über ein validiertes Mapping ausgeleitet und genutzt werden. Die Interraterreliabilität des Mappings zu den Assessmentinstrumenten ist geprüft worden und zeigte sehr gute Ergebnisse.

Vorteile des BAss im Überblick

Eine detailliertere Beschreibung zu den aufgeführten Vorteilen des BAss entnehmen sie der differenzierten Beschreibung.

  • NEU: Unterstützung der Einschätzung des Personalbedarfs mit der PPR 2.0
  • Unterstützung der Ermittlung des Pflegepersonalbedarfs
  • Unterstützung bei der Evaluation des Pflegeprozesses über die Zustandsveränderungen der Patientinnen/des Patienten
  • Unterstützt und vereinfacht das Entlassmanagement
  • Unterstützt den Kodierprozess des OPS 9-984 Pflegebedürftigkeit UND der U50.- bis U51.-
  • Triggert die Einstufung zu folgenden Assessmentinstrumenten
    • Barthel-Index (Mahoney & Barthel, 1965)
    • Erweiterter Barthel-Index (Prosiegel et al., 1996)
    • Die Module 1 bis 4 des „Neuen Begutachtungsassessment (NBA)“ (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS), 2016). Auf diese Weise kann der poststationäre Versorgungsbedarf frühzeitig erkannt werden und wesentliche Aufgaben im Rahmen des Entlassungsmanagements sind bereits erledigt (Bensch, 2016).
    • Frührehabilitations-Barthel-Index (Schönle, 1996)
    • Braden-Skala zur Bestimmung des Dekubitusrisikos (Braden & Ayello, 2002)
    • Hendrich-Skala zur Bestimmung des Sturzrisikos (Heinze & Dassen, 2002; Heinze et al., 2006)

 

Die Struktur des BAss

Das BAss besteht aus sechs Modulen, welche verschiedene pflegerelevante Aspekte berücksichtigen, die maßgeblich sind zur Einschätzung eines Patientenzustandes, beispielsweise im Hinblick auf bestehende pflegerische Versorgungsbedarfe oder auf die frühzeitige Erkennung poststationärer Unterstützungsbedürfnisse.

Die Module I bis IV decken sich sowohl inhaltlich als auch in Hinblick auf die Abstufungen zur Ermittlung des item-spezifischen Punktwertes mit den Modulen 1 bis 4 des Neuen Begutachtungsassessments (NBA). Für eine noch detailliertere Informationssammlung über Patienten wurden die Module zusätzlich um weitere Items (z.B. „Sturzhistorie in den letzten 6 Monaten“ im Modul I „Mobilität“) ergänzt. Mithilfe der Module V („Risiken und Prävention“) und VI („Zustände mit Überwachungs-/Unterstützungsbedarf“) werden darüber hinaus Informationen erfasst, welche außerhalb der Module des NBA liegen. Durch deren Abfrage erhalten Anwender(innen) weitere wichtige Informationsbausteine, welche für die pflegerische Versorgung relevant sind.

Das BAss bietet dem Nutzer aufgrund seiner breiten Itemstruktur eine Vielzahl verschiedener Informationen, die ansonsten von der Pflegeperson gesondert auf unterschiedlichen Formularen und/oder Assessmenttools erhoben wurde. Hier entsteht heute noch vielerorts in den Kliniken eine Doppeldokumentation von gleichen/ähnlichen Sachverhalten über den Patientenzustand. Score-Werte international anerkannter Assessmentinstrumente können durch die Anwendung des BAss ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand über ein validiertes Mapping ausgeleitet und genutzt werden. Die Interraterreliabilität des Mappings zu den Assessmentinstrumenten ist geprüft worden und zeigte sehr gute Ergebnisse.

 

NEU im BAss 1.8: PPR 2.0 relevante Faktoren erweitert

Aufbauend darauf wurde das BAss in der neuen Version 1.8 um Elemente erweitert, welche Patientenzustände abbilden, die als erschwerende Faktoren bei der PPR 2.0 Einstufung Berücksichtigung finden. Da es sich hierbei um zustandsbeschreibende Elemente handelt und nicht um geplante oder durchgeführte Maßnahmen und deren Häufigkeit, wird zusätzlich eine interventionsbezogene Dokumentation benötigt, welche Zustände entsprechend den Anforderungen der PPR standardisiert erfasst. Diese kann beispielsweise durch die Pflegeprozessdokumentation, Medikationspläne oder Wunddokumentation erfolgen.

Eine Lösung zur Kombination verschiedener Faktoren bietet das Mapping des BAss mit dem pflegerischen Interventionskatalog des Klassifikationssystems European Nursing care Pathways (ENP) welcher Interventionskonzepte mit ergänzenden Detailinformationen wie beispielsweise Häufigkeiten, Anzahl benötigter Pflegepersonen oder den zu leistenden Unterstützungsgrad als Detailbeschreibung beinhaltet. Dies ermöglicht nicht nur eine präzise und standardisierte Dokumentation pflegerischer Leistungen, sondern bildet auch die komplexen Anforderungen der PPR 2.0 Einstufung ab.

Ein Beispiel zur Einstufung und automatischen Ausleitung aus der Regeldokumentation finden Sie in der ausführlichen Beschreibung.

 

Die sechs Module des BAss.

 

Ergebnisbewertung & Auswertungsoptionen des BAss

Wie bereits erwähnt, ist es in einer Softwarelösung möglich, die jeweiligen Summenwerte automatisch berechnen und anzeigen zu lassen. Abhängig davon, welche Punktewerte des BAss genutzt werden, können wertvolle Aussagen über den Patientenzustand und/oder die Arbeitsbelastung einer Facheinheit bezogen auf die durchschnittliche Fallschwere der Patienten genutzt werden. Nachfolgend werden einige Auswertungsüberlegungen vorgestellt.

Folgende Auswertungsoptionen des BAss sind definiert:

a) Patientenbezogene Auswertungen

  • PPR 2.0 Einstufung ausgeleitet aus der Regeldokumentation
  • Bestimmung des poststationären Versorgungsbedarfes & voraussichtlicher Pflegegrad
  • NBA-Punktwertverlauf des Pflegeempfängers im Verlauf zur Evaluation des Pflegeprozesses
  • BAss-Punktwerte des Pflegeempfängers zur Bewertung des Outcomes

b) Fachabteilungs- oder klinikbezogene Auswertungen

  • BAss-Nursing-Case-Index zur Darstellung der durchschnittlichen pflegerischen Fallschwere einer Facheinheit
  • Nutzung der Fallschwereeinstufung zum Management der Bettenbelegung
  • Nutzung der NBA-Einstufungsbewertung zur Bewertung der fachabteilungsbezogenen Arbeitsschwerpunkte

In der ausführlichen Beschreibung sind die verschiedenen Auswertungsmöglichkeiten des BAss beschrieben. Diese können wertvolle Unterstützung bei der Pflegepersonalbemessung, Pflegebedarfsdarstellung sowie Pflegeprozessevaluation bieten.

Das BAss kann gerade in Verbindung mit den ENP-Interventionen eine solide Datengrundlage für künftige Pflegepersonalbemessungssysteme sein.